CO2-Bepreisung

Die auf Unternehmen abzielenden Maßnahmen zur CO2-Vermeidung werden mit der Zeit immer zahlreicher. Eine davon ist der CO2-Preis. Was macht den CO2-Preis für alle Unternehmen relevant und warum sollten sie ihn berücksichtigen?

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June 3, 2022
Durch die CO2-Bepreisung werden die durch den Klimawandel verursachten Schadenskosten nicht mehr von den Menschen und Gemeinschaften, sondern von den Verursachern übernommen. Dabei verteuern sich durch die CO2-Bepreisung klimaschädliche Produkte und Komponenten, während klimafreundliche Produkte und Elemente günstiger werden. Eine kurze 3-Minuten-Erklärung ist im Video von "Mehr Demokratie" zu sehen.
Noch Mitte Juni 2021 spekulierten Experten darüber, dass der CO2-Preis wahrscheinlich erst ab 2030 auf 90 € pro Tonne CO2 steigen würde. Dieser Wert wurde jedoch inzwischen überschritten und liegt laut EMBER Climate nun bei 96 €/t CO2. Der CO2-Preis ist also seit Juni 2021 um 81 % gestiegen.

Was ist das EU-ETS System?

Das EU Emission Trading System (EU-ETS) oder Europäische Emissionshandelssystem existiert seit 2005 und wurde eingeführt, um die im Kyoto-Protokoll festgelegten Klimaziele zu erreichen. Dieses System hat eine Obergrenze für Treibhausgasemissionen, die in ganz Europa produziert werden können, festgelegt. Unternehmen aus dem Energiesektor, der energieintensiven Industrie und dem Luftverkehr aus den 28 EU-Mitgliedstaaten sowie aus Norwegen, Island und Liechtenstein können "Emissionszertifikate" kaufen, die im Rahmen dieses Systems zu einer Art Währung geworden sind. Diese Zertifikate geben ihnen das Recht, eine bestimmte Menge an CO2 und anderen klimaschädlichen Gasen zu emittieren und können zwischen den Emittenten gehandelt werden. Über die Zeit wird der Emissionscap, das Angebot von Zertifikaten, reduziert und weniger Zertifikate ausgegeben. Dadurch soll Druck auf Unternehmen ausgeübt werden, sich schneller zu einer Senkung ihrer Emissionen zu bewegen.
Seit Mitte 2021 sind Details über die Ergänzung der Sektoren Gebäude und Verkehr bekannt. Danach sollen CO2-Emissionen von diesen Sektoren ab 2026 in einem neuen, weiteren EU-ETS gehandelt werden. Dadurch müssen diese Sektoren bereits heute aus Rentabilitätsgründen größere Anstrengungen unternehmen, um ihre CO2-Emissionen zu begrenzen. Zum einen, weil der Preis für CO2 zusehends steigt, zum anderen, weil die Zahl der Emissionszertifikate abnimmt.

Was ist der Unterschied zwischen CO2-Preis und CO2-Steuer?

In Deutschland hat die Einführung der CO2-Steuer in den Sektoren Wärme und Verkehr zu weiteren direkten Kosten geführt. Was ist also der Unterschied zwischen dem CO2-Preis und der CO2-Steuer? Dem EU-ETS gegenüber legt eine CO2-Steuer den Preis pro Tonne emittiertem Treibhausgas fest, sodass die Menge der Emissionen nur indirekt beeinflusst werden kann. Die CO2-Steuer gilt daher zum Beispiel für den Kauf von Treibstoff oder anderen CO2-intensiven Materialien. Um die gesetzten CO2-Emissionsziele zu erreichen, will Deutschland dabei den Wechsel zu alternativen Energiequellen sowie die Verkehrswende durch Elektromobilität beschleunigen. Die Bundesregierung hat es sich zum Ziel gesetzt, bis Ende 2030 sieben bis zehn Millionen Elektrofahrzeuge in Deutschland zuzulassen. Dadurch werden die Emissionen, die durch die Nutzung von Elektroautos entstehen, innerhalb des Landes drastisch gesenkt. Jedoch werden die Emissionen im Zusammenhang mit der Produktion solcher Fahrzeuge die CO2-Emissionen global steigen lassen. In der Tat verursacht die Gewinnung der Materialien, die für die Herstellung dieser Fahrzeuge benötigt werden, enorme Treibhausgasemissionen, was die CO2-Einsparungen durch die Nutzung der Fahrzeuge wahrscheinlich zunichtemachen würde. Obwohl Elektrofahrzeuge für den europäischen Markt produziert werden, stammen diese Materialien hauptsächlich aus dem Ausland, was die Verantwortung für CO2 Emissionen auf diese Länder verlagern würde.

Das Risiko von Carbon Leakage

Das oben erklärten Problem steht in engem Zusammenhang mit dem sogenannten "Carbon Leakage". Als Carbon Leakage wird bezeichnet, wenn Unternehmen aus Kostengründen in Bezug auf der Klimapolitik ihre Produktion in andere Länder mit weniger strengen Emissionsauflagen verlagern. Dies könnte zu einem Anstieg ihrer Gesamtemissionen führen. Das Risiko von Carbon Leakage kann in bestimmten energieintensiven Industrien höher sein. Um die Verlagerung von Emissionen zu vermeiden, aktualisiert die EU regelmäßig ihre Klimagesetzgebung.

Die EU und die Bundesregierung haben ehrgeizige Klimaziele und aktive Klimamaßnahmen wie CO2-Bepreisung, CO2-Steuer und die Bekämpfung der Verlagerung von CO2-Emissionen festgelegt. Diese Maßnahmen geben den Unternehmen den Takt vor, schnell zu handeln, um ihre CO2-Emissionen zu verringern. Aus diesem Grund sind diese Maßnahmen für jedes Unternehmen relevant.

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Quellen

Bayern 1 (2021, 16. Dezember). Das Klima schützen und Kosten sparen. CO2-Steuer.

Bundesregierung (2022). Mehr E-Mobilität.

EMBER Climate (2022). Daily Carbon Prices.

Kurier (2021, 20. September). So funktionieren CO2-Steuer und Emissionshandel in der EU.

Mehr Demokratie (2021, 5. Mai). Klima & CO2-Preis - erklärt in 3 Minuten. Youtube.

Technische Universität Berlin & Potsdam Institut für Klimafolgenforschung (2011, 27. April). Klima: Welthandel verlagert Emissionen in arme Länder - Produktion von Waren in armen Ländern untergräbt CO2-Reduktionen. Pressemitteilung.

World Bank (2022). What is Carbon Pricing? Carbon Pricing Dashboard.

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