Sinnvolles Vorgehen beim CO2-Reporting für produzierende Unternehmen

Mit der vorgeschlagenen Novellierung der CSR-Richtlinie (Corporate Sustainability Reporting Directive) werden in Deutschland künftig mehrere tausend Unternehmen verpflichtet, einen Nachhaltigkeitsbericht in ihren Lagebericht aufzunehmen.

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July 11, 2022
Die geplanten Änderungen betreffen bereits den Berichtszeitraum 2023. Es ist daher wichtig, schon heute eine nachhaltige CO2-Mess- und Minderungsstrategie im Unternehmen zu etablieren. Allerdings stehen viele produzierende Unternehmen vor der Herausforderung, zum ersten Mal eine ganzheitliche CO2-Berichterstattung durchzuführen und vor der Frage, wie sie diese langfristig am besten umsetzen können.

Klimabilanzierung von Unternehmen und Produkten

Um mit der CO2-Berichterstattung richtig beginnen zu können, ist es wichtig, den Unterschied zwischen einem Corporate Carbon Footprint (CCF) und einem Product Carbon Footprint (PCF) zu kennen. Dabei bezieht sich der CCF auf die Klimabilanzierung des gesamten Unternehmens. D.h. es werden alle CO2e-Emissionen betrachtet, die direkt und indirekt durch die Aktivitäten des Unternehmens entstehen. Daneben gibt es auch die Möglichkeit, einen PCF zu berechnen. Dabei werden alle CO2-Emissionen zusammengefasst, die anhand des gesamten Lebenszyklus eines Produktes entstehen.

Wie wird regelkonform berichtet?  

Carbon Footprints werden auf Basis von gewissen Standards durchgeführt. Dabei kann jedes Unternehmen entscheiden, nach welchem Standard berichtet werden soll. Die Standards helfen dabei Systemgrenzen zu definieren und Anhaltspunkte zu geben, welche Inhalte bei der Carbon Footprint Bilanzierung relevant sind.  Zur Berechnung des CCF werden vor allem in Deutschland häufig die ISO-Normen oder das GHG-Protokoll verwendet. International ist jedoch das GHG-Protokoll aufgrund seiner klaren Trennung in Scopes derzeit beliebter.

Herangehensweise des CO2-Reportings im Rahmen des GHG-Protocols

Der Vorteil des Reportings nach dem GHG-Protocol ist die Einteilung des CCFs in drei unterschiedliche und komplexe Scopes.
Scope 1 (direkte Emissionen)

In die Scope 1 Analyse werden sämtliche, mögliche direkte Emissionen aus eigenen oder kontrollierten Quellen aufgenommen. Darunter fallen typischerweise Verbrennungsmotoren, wie Generatoren, Fahrzeuge, Öfen sowie chemische Stoffe, wie Verluste an Kühlmittel oder natürliche Prozesse wie Dünger und Tiere. Die Analyse wird anhand der Verbrauchsmengen durchgeführt. Dabei wird die Analyse auf Basis von Unternehmenswerten, die durch Messdaten, Verbrauchswerten, anerkannten Durchschnittswerten, Finanzdaten oder wissenschaftlichen Quellen erhoben werden, in CO2-Äquivalente umgerechnet.

Scope 2 (indirekte Emissionen)

Scope-2-Emissionen sind indirekte Emissionen aus der Erzeugung von eingekaufter Energie. Darunter fallen die Aufnahme aller bezogener Energie (typischerweise Strom, Wärme, Dampf oder Druck). Die Analyse der Verbrauchsmenge wird anhand von Verbrauchswerte, Mess- oder Finanzdaten durchgeführt. Die Analyse der Emissionswerte wird anhand der Energietypen bzw. Zusammensetzung der Energietypen des Anbieters, anerkannte Standarddaten oder anderen, wissenschaftliche Quellen durchgeführt. Im Grunde kann jedes Unternehmen auf die CO2e-Daten des Strommixes auf das Land zurückgreifen, doch es gibt natürlich regionale Unterschiede. Hier haben oftmals Stadtwerke eigene CO2e-Emissionswerte.

Scope 3 (indirekte Emissionen)

Scope 3-Emissionen sind alle indirekten Emissionen (nicht in Scope 2 enthalten), die in der Wertschöpfungskette des berichtenden Unternehmens entstehen, einschließlich der vor- und nachgelagerten Emissionen. Neben entstehende Emissionen durch die Anfahrt der Mitarbeiter:innen und Abfallmanagement, spielt vor allem die vorgelagerte Lieferkette eine große Rolle, aber auch Produktnutzungsemissionen, Transport und Logistik.

Scope-3-Emissionen sind in den meisten Sektoren die größte Emissionsquelle eines Unternehmens und machen oft ein Mehrfaches der Scope-1- und -2-Emissionen aus. Laut dem Global Supply Chain Report 2018 (Link unten) werden etwa 40 % der weltweiten Treibhausgasemissionen von Unternehmen durch ihre Einkäufe (d.h. gekaufte Waren und Dienstleistungen) und die von ihnen verkauften Produkte (d. h. die Nutzung der verkauften Produkte) verursacht oder beeinflusst.

Für viele Unternehmen liegt der Großteil der Treibhausgasemissionen und der Möglichkeiten zur Kostensenkung außerhalb der eigenen Betriebe. Daher bringt die Messung von Scope-3-Emissionen zahlreiche Vorteile mit sich, wie z. B.: Bewertung der Emissions-Hotspots in der Lieferkette, Ermittlung der Lieferanten, die in Bezug auf die Nachhaltigkeitsleistung Vorreiter oder Nachzügler sind, Ermittlung von Möglichkeiten zur Materialeffizienz und Kostensenkung in der Lieferkette.

Abbildung 1: Übersicht der Emissionen nach dem GHG Protocol und worldwatchers Datenbank (EN)
Produktlebenszyklusemissionen - Product Life Cycle Emission

Produktlebenszyklusemissionen sind alle Emissionen, die mit der Herstellung und Verwendung eines bestimmten Produkts verbunden sind, von der Wiege bis zur Bahre, einschließlich der Emissionen aus Rohstoffen, Herstellung, Transport, Lagerung, Verkauf, Verwendung und Entsorgung. Dabei ist der PCF ein Querschnitt aller Scopes in Bezug auf ein bestimmtes Produkt. Jedoch überschneiden sich vor allem der Scope 3 und PCF. Deswegen liegt die Frage nahe - was ist der Unterschied?

Was ist der Unterschied zwischen der Messung von Scope 3 Emissionen und der Messung eines PCF?

Beide Standards verfolgen einen Wertschöpfungsketten- oder Lebenszyklusansatz bei der Treibhausgasbilanzierung. Der Scope 3 Corporate Vale Chain Standard ermöglicht es einem Unternehmen, die größten Möglichkeiten zur Reduzierung von Treibhausgasemissionen in der gesamten Wertschöpfungskette des Unternehmens zu ermitteln. Der Product Standard hingegen ermöglicht es einem Unternehmen, einzelne Produkte mit dem größten Reduktionspotenzial zu ermitteln.
Der Corporate Value Chain (Scope 3)-Standard hilft Unternehmen, Möglichkeiten zur Reduzierung von THG-Emissionen zu erkennen, die Leistung zu verfolgen und Lieferanten auf Unternehmensebene aus einer Top-Down-Perspektive einzubeziehen, während der PCF-Standard einem Unternehmen hilft, dieselben Ziele auf Produktebene aus einer Bottom-Up-Perspektive zu erreichen. (Mehr zur bottom-up Berechnung hier)
Während jeder Standard unabhängig voneinander umgesetzt werden kann, bieten die beiden Standards zusammen einen umfassenden Ansatz zur Messung und zum Management von Treibhausgasemissionen in der Wertschöpfungskette. worldwatchers bietet deswegen Lösungen genau an dieser Schnittstelle an. Mit der API Integration zu worldwatchers Product Footprint Engine erhalten Sie akkurate CO2 Daten und die Möglichkeit effizient ihre Scope 3, aber auch PCF Analysen durchzuführen.

Quellen:

PricewaterhouseCoopers GmbH (2021, 21. April). CSR-Richtlinie: Heute beginnt eine neue Ära in der Nachhaltigkeitsberichterstattung. Pressemitteilung. https://www.pwc.de/de/pressemitteilungen/2021/csr-richtlinie-heute-beginnt-eine-neue-aera-in-der-nachhaltigkeitsberichterstattung.html

World Resources Institute and World Business Council for Sustainable Development (2011). Greenhouse Gas Protocol. ISBN 978-1-56973-772-9. https://ghgprotocol.org/sites/default/files/standards/Corporate-Value-Chain-Accounting-Reporing-Standard_041613_2.pdf

CDP (2017). Global Supply Chain Report 2017/ 2018. https://www.cdp.net/en/research/global-reports/global-supply-chain-report-2018

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