Flaschenverpackungscheck in der Industrie

Nachdem es bereits einen Verpackungscheck im Endkonsumentenbereich gibt, wird hier die Industrie betrachtet. Denn auch in der Industrie kaufen Unternehmen Verpackungen ein, um wichtige Stoffe, Flüssigkeiten oder anderes zu ihren Kunden zu transportieren. Diese Flaschen können aus unterschiedlichen Materialien bestehen und abhängig von Unternehmen in einem Mehrwegsystem zurückgeführt werden. Die Auswirkungen auf den CO2e-Austoß wird im Folgenden analysiert.

CO2-Rechner
 — 
6
 Min read
 — 
October 5, 2021
Die Verpackungscheck-Analyse ist von Kunz-Packaging beauftragt. worldwatchers hat die Analyse als unabhängige Organisation durchgeführt. In der Analyse vergleicht worldwatchers 1l Flaschen aus verschiedenen Materialien, die in unterschiedlichen Industrien beim Transport oder Weiterverarbeitung von Gütern, wie zum Beispiel Getränke, Duftstoffe etc. zum Einsatz kommen. Die Wahl der Verpackung hat somit einen direkten Einfluss auf den gesamten Product Carbon Footprint. Dabei hat das Material den größten Einfluss, aber auch das Gewicht der Verpackung bestimmt den CO2e-Ausstoß beim Transport. Zum Beispiel macht in der Lebensmittelindustrie die Verpackung 5-10% am gesamten Product Carbon Footprint aus. Deswegen spielt bei der Optimierung des Footprints auch die richtige Auswahl der Verpackungsmaterialien eine Rolle.

Das CO2e-Ranking

Für den Vergleich werden die Product Carbon Footprints mit der bottom-up Berechnungsmethode und dem Berechnungsrahmen „cradle to point of sales“ von je einer 1 Liter Flasche aus HDPE Mono-Material, HDPE 6-Schicht, Aluminium, Weißblech, PET Mono-Material und Glas kalkuliert.
Es werden folgende Annahmen definiert:
  • Alle Flaschen, außer der HDPE 6 Schicht Flasche, werden in Deutschland hergestellt, da keine weiteren Angaben der anderen Hersteller vorliegen. Die HDPE 6-Schicht Flasche wird laut Kunz-Packaging in Frankreich produziert.
  • Die Recyclingquote beschreibt die übliche Zusammensetzung des Material aus Primär- und Recyclingmaterialien. Die Annahme über den Anteil des Primärmaterials ist entweder technisch bedingt um Qualitätsverlust zu vermeiden (z.B. bei Alu) oder wegen üblicher Recyclingmenge im Markt (Deutschland) definiert.
  • Alle Flaschen sind mit dem gleichen Deckel ausgestattet. Der Deckel besteht aus 13 Gramm HDPE und die Dichtscheibe aus einem Gramm Alu/PE. Dieser wird nicht wiederverwendet, aber besteht zu 50% aus Recyclingmaterial. Die Dichtung ist aus Primärmaterial, da sie nicht recyclingfähig ist.
  • Mehrweghäufigkeit beschreibt die angenommene Häufigkeit der Wiederverwendung der Flasche bis diese wiederverwertet oder verbannt wird.
  • Die Transportentfernungen sind mit 500km im Durchschnitt zum Befüller und weitere 500 km zum Point of Sales (POS) festgelegt.
Grafik 1: Verpackungscheck 1l Flaschen mit Recyclingquote und Mehrwegverwendung. Die Anzahl der Mehrwegverwendung ist davon abhängig, wie oft eine Flasche mit derselben Qualität wieder in das Mehrwegsystem zurückgeführt werden kann.

Aluminium der Weltretter?

Trotz der hohen Recyclingquote liegt Aluminium mit dem CO2e-Ausstoß weit vorne. Warum wird das Material dennoch als nachhaltige Alternative im Vergleich zu Plastik beworben? Jason Momoa, Games of Throne Star sagt in seinem Youtube Video: „Plastik tötet unseren Planeten“. Seine Lösung ist eine Aluminium-Dose mit der Argumentation, dass diese unbegrenzt wiederverwertbar ist. Jedoch gibt es in einem Recyclingprozess immer wieder Qualitätsverluste, sodass keine 100%ige Recyclingquote erreicht wird. Auch wenn eine hohe Recyclingquote bei der Herstellung von Dosen und Flaschen sichergestellt werden kann, ist die Herstellung und das Recycling von Aluminium überproportional energieintensiv. Bei energieintensiven Prozessen bietet die Wahl der eingesetzten Energiequelle (konventionell vs. regenerativ) großes Optimierungspotential.
Daher gibt es bei der Wahl der eingesetzten Energiequelle (konventionell vs. regenerativ) Optimierungspotential. Der Berechnung (Grafik 1) wird ein europäischer Durchschnittswert des Strom-Mix für die Herstellung des Primärmaterials zugrunde gelegt (das Material, das hinzugefügt wird, um die Qualität der Flasche sicherzustellen: 20%). Damit liegt der CO2e-Ausstoß bei 12,33 CO2e kg / kg Aluminium. Kommt das Aluminium aus Norwegen mit einem höheren Anteil an regenerativen Energiequellen im Strom-Mix sind es nur noch 0,5 CO2e kg/ kg.

Glas vs. Plastik – was ist besser?

Die Nachhaltigkeitsproblematik rund um Plastik ist natürlich viel komplexer als die reine CO2e-Betrachtung, denn es existiert das Problem der Massenherstellung. Es wird ständig und überall mehr Plastik in den Umlauf gebracht und die Recyclingquoten von Ländern spiegelt nicht die wahre Situation wider. Laut der Bundesregierung ist Deutschland mit einer Recyclingquote für Kunststoffe aus dem privaten Haushalt von 38% der „Recyclingmeister“ in Europa. In einer Studie von Conversio wird die Quote durch die unkontrollierten Müllexporte nach dem Sortieren und um weitere Verluste beim Recyclingprozess auf 17,3% bereinigt.
Glas hat das Potential die nachhaltigere Alternative zu sein. Doch es kommt dabei sehr stark auf den verwendeten Strom-Mix bei der Herstellung an. Denn der Glasschmelzungsprozess ist für 64% des gesamten CO2e-Fußabdrucks verantwortlich. Somit kann der gesamte CO2e-Ausstoß über einen grüneren Strom-Mix signifikant reduziert werden.

 

Mehrwegsystem auch in der Industrieverwendung möglich?

Die zwei HDPE-Variantenliegen nicht mehr weit auseinander. Es wird angenommen, dass wie bei einer PET-Flasche auch die zwei HDPE-Varianten etwa 25-mal wiederverwendet werden. Jedoch hat der Verpackungshersteller keinen Einfluss darauf, ob Kunden die Flaschen in ein Mehrwegsystem überführen. Nicht jedes Unternehmen möchte den zusätzlichen Aufwand, die Flaschen zur Reinigungsstelle zu bringen, leisten.
Werden die Flaschen jedoch nicht in ein Mehrwegsystem zurückgeführt, sieht der Verpackungscheck anders aus.
Grafik 2: Verpackungscheck 1l Flaschen mit Recyclingquote und keine Mehrwegverwendung.

Bei Glas steigt der CO2e-Ausstoß nur um 7%. Bei den Kunststoff-Varianten sieht der Unterschied gravierender aus. Der CO2e-Ausstoß der PET Monomer 1l Flasche steigt um das 4,5-fache, bei der HDPE 6 Schicht Flasche um das 4-fache und bei der HDPE Monomer um das 3,6-fache.

Was bedeutet das für die Industrie und den Verpackungshersteller?

Die Hersteller müssen bereits im Produktdesign darauf achten, dass die Flaschen aus recyceltem Material hergestellt werden können und selbst recyclingfähig sind. So wird sichergestellt, dass weniger Primärmaterial hinzugefügt werden muss. Zudem können vor allem die energieintensiven Herstellungsprozesse mit einem regenerativen Strom-Mix überproportional optimiert werden. Um weiter CO2e zu vermeiden, müssen Flaschen für ein Mehrwegsystem hergestellt und genutzt werden. Eine Möglichkeit ist es Flaschenformen zu standardisieren, damit jede Industrie nach dem Reinigen die Flasche weiter nutzen kann. Zusätzlich müssen Unternehmen sensibilisiert (incentiviert) werden vermehrt Mehrwegsysteme zu nutzen.
Sie sind an einem CO2e-Ranking in Ihrer Branche interessiert, dann kontaktieren Sie uns gerne.

Quellen Artikel:

https://www.quarks.de/umwelt/muell/darum-ist-aluminium-nicht-gut-fuer-die-umwelt/

https://dserver.bundestag.de/btd/19/046/1904634.pdf

Kurzfassung_Studie_Stoffstrombild_2017.pdf

https://www.youtube.com/watch?v=8bQ23FBu2Ys  

Photo by Jasmin Sessler on Unsplash

https://www.mehrweg-mach-mit.de/getraenkeverpackungen/glasflaschen/

https://de.multivac.com/de/loesungen/verpackungsloesungen/nachhaltige-verpackungloesungen/?utm_source=gruenderszene&utm_medium=display&utm_campaign=sustainability#c187370

https://www.swrfernsehen.de/marktcheck/oekochecker/glas-vs-plastikflaschen-so-viel-bringt-mehrweg-wirklich-fuer-die-umwelt-100.html

Quellen Berechnung:

https://norden.diva-portal.org/smash/get/diva2:839864/FULLTEXT03.pdf

https://link.springer.com/article/10.1007/s11367-015-1003-7

https://www.researchgate.net/publication/273743922_Accounting_for_Greenhouse_Gas_Emissions_of_Materials_at_the_Urban_Scale-Relating_Existing_Process_Life_Cycle_Assessment_Studies_to_Urban_Material_and_Waste_Composition

https://core.ac.uk/download/pdf/31009455.pdf

https://www.ffegmbh.de/images/stories/veroeffentlichungen/720_Energiewende_in_der_Industrie/CO2-Verminderung_in_der_Metallerzeugung.pdf

https://link.springer.com/article/10.1007/s40831-019-00260-8

https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0301421510007081

Randnotiz: In unserem ersten Verpackungscheck wurde CO2e pro kg Verpackungsgewicht verglichen, in diesem Artikel wird das Gewicht für eine 1l Flasche verglichen.

Du magst den Artikel? Spread the word